Verständlichere Behördenbriefe – Erfahrungen des „Marburger Modells“ für Moers nutzen
Anfrage zur Sitzung des Rates am 14.10.2026
Verständlichere Behördenbriefe – Erfahrungen des „Marburger Modells“ für Moers nutzen
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
behördliche Bescheide und Schreiben müssen rechtssicher sein, sollten für Bürger*innen aber zugleich möglichst verständlich formuliert werden. Komplizierte Satzstrukturen, Fachbegriffe und stark formalisierte Texte können dazu führen, dass Entscheidungen, notwendige nächste Schritte oder Fristen nicht unmittelbar verstanden werden. Dies kann zusätzliche Rückfragen und Verwaltungsaufwand verursachen.
Einen interessanten Ansatz verfolgt die Stadt Marburg. Dort wurden im Bereich Soziale Leistungen bereits mehr als 50 Dokumente in verständlichere Sprache übertragen. Bestehende Texte wurden dafür in Bausteine zerlegt, sprachlich überarbeitet und anschließend fachlich sowie rechtlich geprüft. Ergänzend werden Beschäftigte darin geschult, auch individuelle Schreiben verständlicher zu formulieren. Marburg berichtet von positiven Rückmeldungen und weniger Missverständnissen und Rückfragen.
Der Ansatz zeigt, dass Rechtssicherheit, Bürger*innenfreundlichkeit und Verwaltungsvereinfachung miteinander verbunden werden können. Besonders interessant ist, dass Marburg seine Erfahrungen und überarbeiteten Vorlagen auch anderen Kommunen zur Verfügung stellen will.
Die Linke Liste hält es daher für sinnvoll zu prüfen, ob Elemente dieses Modells auch in Moers genutzt werden können. Dabei erscheint ein begrenztes Pilotprojekt mit besonders häufig verwendeten Schreiben und Bescheiden sinnvoller als eine umfassende Überarbeitung der gesamten Verwaltungskommunikation.
Vor diesem Hintergrund bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:
- Welche Standards oder Vorgaben bestehen bei der Stadt Moers bereits für eine verständliche und bürger*innenorientierte Gestaltung von Bescheiden, Anschreiben und Formularen, und wurden entsprechende Dokumente bereits systematisch sprachlich überarbeitet?
- Ist der Verwaltung das Marburger Modell bekannt, und wie bewertet sie die Möglichkeit, die dort entwickelten Erfahrungen, Mustertexte und Textbausteine für Moers zu nutzen?
- Welche besonders häufig verwendeten oder erfahrungsgemäß erklärungsbedürftigen Bescheide und Schreiben kämen aus Sicht der Verwaltung für eine modellhafte Überarbeitung infrage?
- Wäre ein Pilotprojekt in einem oder mehreren publikumsintensiven Bereichen – beispielsweise Soziales, Wohngeld oder Ausländerangelegenheiten – nach dem Marburger Vorbild aus Sicht der Verwaltung sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand umsetzbar?
- Könnten überarbeitete Texte nach dem Marburger Modell zunächst sprachlich vereinfacht und anschließend durch Fachverwaltung und Rechtsservice auf fachliche Vollständigkeit und Rechtssicherheit geprüft werden?
- Welche Möglichkeiten bestehen, Beschäftigte durch Schulungen, Leitfäden oder Textbausteine dabei zu unterstützen, auch individuell erstellte Schreiben verständlicher zu formulieren?
- Wie könnten bei einer Überarbeitung insbesondere die Bedürfnisse von Menschen mit Lern- oder Leseschwierigkeiten, Behinderungen oder geringen Deutschkenntnissen berücksichtigt und zugleich wichtige Angaben zu Fristen, Rechten, Pflichten und erforderlichen nächsten Schritten deutlicher hervorgehoben werden?
- Ist die Verwaltung bereit, die Erfahrungen der Stadt Marburg näher auszuwerten und dem zuständigen Ausschuss anschließend darzustellen, ob und in welcher Form ein entsprechendes Pilotprojekt in Moers umgesetzt werden könnte?
Freundliche Grüße
Almut Klinger Marcel Bister Laura Kaiser
Fraktionsvorsitzende Fraktionsvorsitzender stellv. Fraktionsvorsitzende
