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Schwimmkompetenz in Moers stärken – erfolgreiche Angebote weiterentwickeln und Schutz vor Ertrinken verbessern

Die Linke Liste Moers

Anfrage zur Sitzung des Sportausschusses am 25.09.2026

Schwimmkompetenz in Moers stärken – erfolgreiche Angebote weiterentwickeln und Schutz vor Ertrinken verbessern

 

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

 

zur Sitzung des Sportausschusses stellt die Fraktion Die Linke Liste folgende Anfrage.

 

Schwimmen zu können ist eine grundlegende Voraussetzung für Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und selbstbestimmte Freizeitgestaltung. Gleichzeitig bleibt die Verbesserung der Schwimmkompetenz von Kindern eine dauerhafte Aufgabe von Schulen, Kommunen, Sportvereinen und weiteren Trägern.

Die Linke Liste begrüßt daher ausdrücklich die in Moers bereits bestehenden Aktivitäten. Eine besondere Bedeutung kommt dem Landesprogramm „NRW kann schwimmen“ im Rahmen des Aktionsplans „Schwimmen lernen in Nordrhein-Westfalen 2024 bis 2028“ zu. Ziel ist es, insbesondere Schüler*innen der Klassen 2 bis 6 das Schwimmenlernen zu ermöglichen.

Die Jahresauswertung 2025 des Stadtsportverbandes Moers, die am 28. November 2025 im Sportausschuss vorgestellt wurde, dokumentiert erhebliche Anstrengungen und konkrete Erfolge. Hervorzuheben ist insbesondere, dass Moers nach Darstellung des Stadtsportverbandes als einzige Kommune im Kreis Wesel am Förderprogramm teilnimmt. Auch zahlreiche benachbarte Städte und Kreise beteiligen sich nicht. Moers nimmt damit im regionalen Vergleich eine besondere Rolle ein.

Die Ergebnisse zeigen, was durch die Zusammenarbeit von Stadtsportverband, Stadt, ENNI, Schulen und organisiertem Sport erreicht werden kann. Gleichzeitig macht die Jahresauswertung weiteren Handlungsbedarf sichtbar. Von zunächst 253 durch die Schulen gemeldeten Schüler*innen wurden 13 Meldungen zurückgenommen. 240 Kinder wurden angeschrieben, tatsächlich nahmen 155 teil. Als Gründe nennt der Stadtsportverband unter anderem zwischenzeitlich erworbene Schwimmabzeichen, Urlaubsplanungen, fehlendes Interesse sowie das Nichterscheinen trotz Platzzusage.

Die Jahresauswertung verweist darüber hinaus auf organisatorische Verbesserungsmöglichkeiten. Eltern und Lehrer*innen berichteten dem Stadtsportverband teilweise, dass sie keine Kenntnis von dem Ferienprogramm hatten. Bei Anmeldungen fehlten teilweise E-Mail-Adressen; der Informationsfluss zwischen Schulen bzw. Schulsekretariaten und Familien funktionierte nicht immer optimal. Der Stadtsportverband schlägt deshalb unter anderem vollständigere Kontaktdaten, verbindlichere Rückmeldungen, eine Aktualisierung des Schwimmstatus vor Kursbeginn sowie eine zielgerichtetere Verteilung der Kinder auf die Ferienkurse vor.

Für 2026 wurde die Fortsetzung des Programms in den Oster- und Herbstferien angekündigt. ENNI hatte hierfür erneut die kostenlose Bereitstellung von Wasserzeiten für jeweils sechs Kurse zugesagt.

Die positiven Erfahrungen mit „NRW kann schwimmen“ sollten aus Sicht der Linken Liste Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung der Schwimmförderung in Moers sein. 155 erreichte Kinder sind ein beachtlicher Erfolg; entscheidend ist darüber hinaus, ob möglichst jedes Moerser Kind die realistische Chance erhält, sicher schwimmen zu lernen.

Dabei ist zwischen dem ersten Schwimmenlernen und sicherer Schwimmfähigkeit zu unterscheiden. Das Seepferdchen ist ein wichtiger erster Schritt, stellt jedoch noch keinen Nachweis sicheren Schwimmens dar. Von besonderer Bedeutung sind deshalb Anschlussangebote, die Kindern eine kontinuierliche Entwicklung ihrer Schwimmfähigkeit ermöglichen.

Die Erfahrungen des Stadtsportverbandes zeigen zudem, dass Verbesserungen nicht ausschließlich von zusätzlichen Wasserflächen oder zusätzlichen Kursen abhängen. Auch Information, Organisation, eine aktuelle Bedarfsermittlung, verbindlichere Anmeldungen, Nachrückmöglichkeiten sowie eine gute Verzahnung zwischen Schulschwimmen und außerschulischen Angeboten können dazu beitragen, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen.

Neben dem erfolgreichen Landesprogramm stellt sich deshalb die weitergehende Frage nach der Gesamtsituation der Schwimmkompetenz in Moers: nach dem Schulschwimmen, den vorhandenen Wasserzeiten und Kurskapazitäten, den Anschlussmöglichkeiten nach ersten Schwimmerfolgen, der Erreichbarkeit unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, inklusiven Angeboten und der Prävention von Ertrinkungsunfällen.

Ziel sollte sein, die bereits vorhandenen erfolgreichen Strukturen zu stärken, erkannte organisatorische Probleme zu beheben und eine Perspektive zu entwickeln, in der möglichst jedes Kind in Moers unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Behinderung die Möglichkeit erhält, sicher schwimmen zu lernen.

Vor diesem Hintergrund bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Welche aktuellen Erkenntnisse liegen der Verwaltung über die Schwimmkompetenz der Kinder und Jugendlichen in Moers vor, insbesondere darüber, wie viele Kinder die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können?

2. Wie hat sich die Schwimmkompetenz der Moerser Grundschüler*innen in den vergangenen fünf Schuljahren entwickelt, und lassen sich dabei Unterschiede nach Schulen, Sozialräumen oder anderen relevanten Faktoren feststellen?

3. Findet an allen Moerser Grundschulen der nach den schulrechtlichen Vorgaben vorgesehene Schwimmunterricht tatsächlich und regelmäßig statt? Falls nein, an welchen Schulen und aus welchen Gründen nicht?

4. In welchem Umfang ist Schwimmunterricht in den vergangenen fünf Schuljahren ausgefallen bzw. konnte nur eingeschränkt stattfinden, und was waren die wesentlichen Ursachen hierfür?

5. Reichen die für das Schulschwimmen zur Verfügung stehenden Wasserzeiten gegenwärtig aus, und bestehen Unterschiede hinsichtlich der Versorgung einzelner Schulen?

6. Welche Maßnahmen bestehen oder sind geplant, um insbesondere Kinder, die im regulären Schulschwimmen keine ausreichende Schwimmfähigkeit erreichen, frühzeitig zu identifizieren und ihnen zusätzliche Lernmöglichkeiten anzubieten?

7. Wie bewertet die Verwaltung die Entwicklung des Programms „NRW kann schwimmen“ in Moers seit 2024, insbesondere den Anstieg von 109 Teilnehmer*innen im Jahr 2024 auf 155 im Jahr 2025 sowie die Entwicklung bei den erreichten Schwimmabzeichen?

8. Wie haben sich die Osterferienkurse 2026 entwickelt: Wie viele Kinder wurden gemeldet, eingeladen und haben tatsächlich teilgenommen, wie viele Kurse und Plätze standen zur Verfügung und welche Schwimmabzeichen wurden erreicht?

9. Wie ist der aktuelle Planungsstand für die Herbstferien 2026 und wie viele Kurse und Plätze sollen angeboten werden?

10. Welche Erkenntnisse wurden aus dem Umstand gewonnen, dass 2025 von 240 angeschriebenen Schüler*innen nur 155 tatsächlich teilnahmen, und welche Maßnahmen wurden inzwischen ergriffen, um freie Plätze möglichst vollständig zu besetzen?

11. Wurde insbesondere geprüft, die Bedarfsermittlung zeitnäher vor den jeweiligen Ferien durchzuführen, den Schwimmstatus angemeldeter Kinder vor Kursbeginn nochmals abzufragen und ein kurzfristiges Nachrückverfahren für frei werdende Plätze einzuführen?

12. Welche der vom Stadtsportverband in seiner Jahresauswertung 2025 vorgeschlagenen organisatorischen Verbesserungen – insbesondere vollständige Kontaktdaten, verbindlichere Rückmeldungen, Aktualisierung des Schwimmstatus und eine zielgerichtetere Verteilung der Kinder auf Oster- und Herbstferien – wurden inzwischen umgesetzt bzw. sollen umgesetzt werden?

13. Welche Maßnahmen wurden angesichts des Hinweises des Stadtsportverbandes ergriffen, dass Eltern und Lehrer*innen teilweise keine Kenntnis vom Programm hatten, um an allen Moerser Grundschulen eine zuverlässige und frühzeitige Information der infrage kommenden Familien sicherzustellen?

14. Ist eine dauerhafte Fortführung von „NRW kann schwimmen“ in Moers bis mindestens zum Ende des Landesaktionsplans 2028 gesichert und bestehen Möglichkeiten, Zahl und Umfang der Kurse bei entsprechendem Bedarf weiter zu erhöhen?

15. Welche Möglichkeiten bestehen für die Kinder, die einen Ferienkurs ohne Schwimmabzeichen beenden, ihre Schwimmausbildung zeitnah und möglichst ohne längere Unterbrechung fortzusetzen?

16. Welche Anschlussangebote bestehen für Kinder, die das Seepferdchen erworben haben, um anschließend das für sicheres Schwimmen wesentlich aussagekräftigere Bronze-Abzeichen zu erreichen?

17. Besteht zwischen Schulen, Stadtsportverband, ENNI, Schwimmvereinen und weiteren Trägern ein abgestimmtes System, mit dem Kinder vom Nichtschwimmen über erste Schwimmfähigkeiten bis zum sicheren Schwimmen begleitet werden können, und sieht die Verwaltung hier weiteren Entwicklungsbedarf?

18. Welche Erkenntnisse liegen darüber vor, wie nachhaltig die in den Ferienkursen erworbenen Fähigkeiten sind und wie viele der Teilnehmer*innen anschließend weitere Schwimmangebote wahrnehmen?

19. Welche Schwimmlernangebote für Kinder und Jugendliche bestehen derzeit neben dem schulischen Schwimmunterricht und „NRW kann schwimmen“ in Moers, insbesondere durch ENNI, Schwimmvereine, DLRG und andere Träger?

20. Wie stellt sich bei diesen Angeboten das Verhältnis von vorhandenen Plätzen und Nachfrage dar, insbesondere hinsichtlich Wartelisten und Wartezeiten?

21. Reichen die vorhandenen Wasserflächen und Beckenzeiten insgesamt aus, um Schulschwimmen, Schwimmausbildung, Vereinssport und weitere öffentliche Angebote angemessen abzudecken, und wo sieht die Verwaltung Engpässe?

22. Welche Investitionen, Sanierungen oder sonstigen Maßnahmen sind in den kommenden Jahren vorgesehen, um die für Schwimmausbildung und Schulschwimmen erforderliche Infrastruktur dauerhaft zu sichern?

23. Wie kann die erfolgreiche Zusammenarbeit von Stadt, Stadtsportverband, ENNI und den beteiligten Schwimmvereinen langfristig abgesichert werden, insbesondere hinsichtlich Wasserzeiten, Finanzierung und ausreichender Zahl qualifizierter Übungsleiter*innen?

24. Wie stellt die Stadt sicher, dass finanzielle Gründe kein Hindernis für die Teilnahme von Kindern an Schwimmkursen darstellen, und welche Unterstützungsmöglichkeiten bestehen über das Programm „NRW kann schwimmen“ hinaus?

25. Welche Erkenntnisse bestehen darüber, welche Kinder bzw. Familien von den vorhandenen Schwimmangeboten bislang besonders gut und welche weniger gut erreicht werden, und welche Konsequenzen werden daraus für die Ansprache und Angebotsgestaltung gezogen?

26. Welche barrierefreien bzw. inklusiven Schwimmlernangebote bestehen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, und reichen die vorhandenen Kapazitäten nach Einschätzung der Verwaltung aus?

27. Welche Möglichkeiten bestehen für Jugendliche und Erwachsene, die nicht oder nicht sicher schwimmen können, das Schwimmen in Moers zu erlernen, und wie stellt sich hier das Verhältnis von Nachfrage und Angebot dar?

28. Welche Maßnahmen zur Prävention von Ertrinkungsunfällen und zur Aufklärung über Gefahren an Gewässern werden derzeit in Moers von Stadt, Feuerwehr, DLRG, Schulen und weiteren Akteuren durchgeführt?

29. Wie werden insbesondere Kinder, Jugendliche und Eltern über Risiken des Badens in nicht beaufsichtigten Gewässern sowie über grundlegende Baderegeln und das Verhalten in Notfällen informiert?

30. Hält die Verwaltung vor dem Hintergrund der bestehenden Aktivitäten und der Erfahrungen mit „NRW kann schwimmen“ ein kommunales Gesamtkonzept bzw. abgestimmte Zielsetzungen zur Verbesserung der Schwimmkompetenz und Ertrinkungsprävention für sinnvoll, und welche konkreten Ziele sollte Moers dabei bis 2028 bzw. 2030 verfolgen?

Freundliche Grüße

René Pastoors                             Almut Klinger                Marcel Bister

Mitglied im Sportausschuss   Fraktionsvorsitzende  Fraktionsvorsitzender

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