Hitzevorsorge und Klimaanpassung in der Stadt Moers – vorhandene Maßnahmen weiterentwickeln und Lücken schließen
Anfrage zur Sitzung des Rates am 14.10.2026
Hitzevorsorge und Klimaanpassung in der Stadt Moers – vorhandene Maßnahmen weiterentwickeln und Lücken schließen
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
die Folgen des Klimawandels sind auch in Moers zunehmend spürbar. Häufigere und länger andauernde Hitzeperioden, Tropennächte, Trockenphasen und Starkregen stellen die Stadt vor wachsende Herausforderungen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen, wohnungslose Menschen sowie Menschen in dicht bebauten und stark versiegelten Quartieren.
Die Stadt Moers hat in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe sinnvoller Maßnahmen zur Klimaanpassung und Hitzevorsorge entwickelt. Dazu gehört die Beteiligung am Projekt „Evolving Regions“, in dessen Rahmen eine Klimawirkungsanalyse für den Kreis Wesel erstellt wurde. Sie ermöglicht es, räumliche Auswirkungen von Hitze, Starkregen, Dürre und Hochwasser zu untersuchen und besonders betroffene Bereiche zu identifizieren. Die Stadt Moers hat darauf aufbauend auch eine Hotspot-Analyse für das Stadtgebiet entwickelt.
Mit dem Moerser „Hitzeknigge“ verfügt die Stadt zudem über ein eigenes Informationsangebot zum gesundheitlichen Hitzeschutz. Der Hitzeknigge erläutert zugleich bestehende Klimaanpassungsaktivitäten und die zugrunde liegenden Klimawirkungsanalysen.
Positiv ist auch die Entwicklung einer Karte der „kühlen Orte“, die kühle Innen- und Außenbereiche sowie Trinkwasserbrunnen sichtbar macht. Sie ergänzt die weiteren Informationsangebote der Stadt und kann insbesondere während Hitzeperioden eine praktische Orientierung bieten.
Öffentlich zugängliche Trinkwasserangebote, Maßnahmen zur Begrünung und Verschattung sowie die klimaangepasste Gestaltung öffentlicher Räume bilden weitere wichtige Bausteine. Auch bei städtischen Gebäuden gibt es bereits etablierte Strukturen. Die Klimaschutzinitiative KliMo wurde dauerhaft verstetigt und auf Schulen, Kindertagesstätten, Verwaltungsgebäude, Feuerwehren, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Sporteinrichtungen ausgeweitet.
Im Rahmen von KliMo werden auch konkrete Maßnahmen zur Anpassung an zunehmende Hitze diskutiert, darunter Sonnensegel, zusätzliche Begrünung und Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität an heißen Tagen.
Diese bestehenden Aktivitäten werden von der Linke Liste ausdrücklich begrüßt. Ziel dieser Anfrage ist deshalb nicht, bereits bekannte Maßnahmen erneut abzufragen. Vielmehr soll geklärt werden, welche Wirkung sie entfalten, wo noch Lücken bestehen, wie die einzelnen Bausteine besser miteinander verbunden werden können und welche nächsten Schritte die Stadt plant.
Vor diesem Hintergrund bitten wir die Verwaltung um die Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Wie bewertet die Verwaltung den derzeitigen Stand der kommunalen Hitzevorsorge in Moers insgesamt, und welche wesentlichen Handlungsbedarfe bestehen aus ihrer Sicht noch?
2. Wie werden die Ergebnisse aus „Evolving Regions“, der Klimawirkungsanalyse, der Hotspot-Analyse und dem Klimaatlas NRW heute konkret für die Priorisierung von Maßnahmen genutzt?
3. Welche Stadtteile, Quartiere oder einzelnen Bereiche gelten nach den derzeitigen Erkenntnissen als besonders hitzebelastet, und wie werden dabei neben der thermischen Belastung auch soziale Faktoren berücksichtigt?
4. Welche konkreten Ziele verfolgt die Stadt bis 2030 bei Hitzevorsorge und Klimaanpassung, und anhand welcher Kriterien soll die Zielerreichung gemessen werden?
5. Welche größeren Maßnahmen zur Reduzierung der Hitzebelastung im öffentlichen Raum wurden in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt oder begonnen, und welche weiteren Projekte sind bis 2030 vorgesehen?
6. Nach welchen Kriterien werden Straßen, Plätze, Schulhöfe, Spielplätze und sonstige Aufenthaltsbereiche für zusätzliche Begrünung, Verschattung oder Entsiegelung priorisiert?
7. Wie haben sich Bestand und Neupflanzungen von Straßenbäumen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt, und wie wird der vorhandene Baumbestand während Hitze- und Trockenperioden geschützt?
8. Welche größeren Entsiegelungs- und Schwammstadtprojekte befinden sich derzeit in Planung oder Umsetzung?
9. Wie wird bei der Neu- oder Umgestaltung öffentlicher Plätze sichergestellt, dass Hitzeschutz, Begrünung, Verschattung und Wasserrückhalt von Beginn an berücksichtigt werden?
10. Welche Erfahrungen hat die Stadt mit den bereits vorhandenen öffentlichen Trinkwasserbrunnen gemacht, und welche zusätzlichen Standorte sind konkret vorgesehen?
11. Nach welchen Kriterien werden neue Trinkwasserstandorte ausgewählt, und werden dabei insbesondere Hitze-Hotspots, stark frequentierte Aufenthaltsorte und sozial besonders belastete Quartiere berücksichtigt?
12. Wie wird die Karte der „kühlen Orte“ fortlaufend aktualisiert, wie viele Innen- und Außenorte sind derzeit erfasst und welche Möglichkeiten bestehen, das Netz weiter auszubauen?
13. Werden Nutzung und Bekanntheit der Karte der kühlen Orte, des Hitzeknigges und weiterer Informationsangebote ausgewertet, und welche Schlussfolgerungen zieht die Verwaltung daraus?
14. Welche weiteren öffentlich zugänglichen Möglichkeiten zur Abkühlung – etwa verschattete Aufenthaltsbereiche, zugängliche Gebäude, Grünflächen oder Wasserelemente – sollen künftig geschaffen werden?
15. Wie werden ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen, wohnungslose Menschen und andere besonders gefährdete Gruppen bei Hitze gezielt erreicht?
16. Wie arbeiten Stadtverwaltung, Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, soziale Träger, Gesundheitswesen und weitere Institutionen bei Hitzewarnungen und Präventionsmaßnahmen zusammen?
17. Bestehen für Schulen, Kindertagesstätten und OGS einheitliche Empfehlungen oder Standards zum Umgang mit Hitze, insbesondere zu Verschattung, Trinkwasser, Raumtemperaturen und Nutzung von Außenflächen?
18. Welche Erkenntnisse liegen über besonders hitzebelastete städtische Schulen, Kitas und andere öffentliche Einrichtungen vor, und welche baulichen Maßnahmen haben dort Priorität?
19. Wie werden die bestehenden Strukturen von KliMo künftig stärker mit Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum sommerlichen Wärmeschutz verbunden?
20. Welche städtischen Gebäude weisen aus Sicht des Zentralen Gebäudemanagements besonderen Handlungsbedarf beim sommerlichen Wärmeschutz auf?
21. Welche Maßnahmen – etwa Verschattung, Begrünung, passive Kühlung, verbesserte Lüftung oder baulicher Wärmeschutz – sind für diese Gebäude geplant?
22. Werden bei Neubauten und größeren Sanierungen der Stadt verbindliche Standards für sommerlichen Wärmeschutz und Klimaanpassung angewandt, und wenn ja, welche?
23. Wie werden die vorhandenen Klimawirkungs- und Hotspotanalysen bei Bebauungsplänen, städtebaulichen Konzepten und größeren Bauvorhaben konkret berücksichtigt?
24. Welche Instrumente nutzt die Stadt, um Begrünung, Entsiegelung, Verschattung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Regenwasserrückhaltung auch bei privaten Bauvorhaben zu fördern oder verbindlich zu berücksichtigen?
25. In welchen laufenden oder geplanten Stadtentwicklungsprojekten spielen Hitzevorsorge und klimaresiliente Quartiersentwicklung eine besondere Rolle?
26. Welche größeren Maßnahmen der Hitzevorsorge und Klimaanpassung sind für die Jahre 2026 bis 2030 finanziell eingeplant, und welche Förderprogramme von Land, Bund oder EU werden hierfür genutzt bzw. sollen genutzt werden?
27. Welche geplanten oder aus fachlicher Sicht sinnvollen Maßnahmen können derzeit aufgrund fehlender Haushaltsmittel, Fördermittel oder personeller Kapazitäten nicht oder nur verzögert umgesetzt werden?
28. Ist vorgesehen, dem zuständigen Ausschuss künftig regelmäßig einen zusammengefassten Bericht über den Stand der Hitzevorsorge vorzulegen, der insbesondere Maßnahmen, Prioritäten, Umsetzungsstand, Kosten, Fördermittel und Wirkung enthält?
Freundliche Grüße
Almut Klinger Marcel Bister Laura Kaiser
Fraktionsvorsitzende Fraktionsvorsitzender stellv. Fraktionsvorsitzende
