90 Jahre „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung“ – Aufarbeitung der Verfolgung in Moers
Anfrage zur Sitzung des Kulturausschusses am 23.09.2026
90 Jahre „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung“ – Aufarbeitung der Verfolgung in Moers
Sehr geehrte Herr Vorsitzender,
zur Sitzung des Kulturausschusses stellt die Fraktion Die Linke Liste folgende Anfrage.
Am 10. Oktober 1936 wurde die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und der Abtreibung“ eingerichtet. Sie koordinierte reichsweit insbesondere die Verfolgung homosexueller Männer sowie die Strafverfolgung im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen. Durch die zentrale Erfassung personenbezogener Daten und die Zusammenarbeit mit Kriminalpolizei, Gestapo und weiteren Behörden wurde die Repression erheblich verschärft. Auch Menschen aus Moers können hiervon betroffen gewesen sein.
Vor diesem Hintergrund bittet die Linke Liste Moers um die Beantwortung der folgenden Fragen:
- Welche Erkenntnisse liegen der Verwaltung oder dem Stadtarchiv über die Verfolgung homosexueller Menschen aus Moers während der Zeit des Nationalsozialismus vor?
- Sind Fälle bekannt, in denen Einwohner aus Moers aufgrund des § 175 StGB oder im Zusammenhang mit Maßnahmen der Reichszentrale verfolgt, verurteilt oder inhaftiert wurden?
- Wie viele Personen aus Moers wurden nach heutigem Kenntnisstand wegen homosexueller Handlungen strafrechtlich verfolgt?
- Sind Fälle bekannt, in denen Betroffene aus Moers in Konzentrationslager eingewiesen oder anderen nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt waren?
- Welche Erkenntnisse liegen über die Verfolgung von Frauen, Hebammen, Ärztinnen, Ärzten oder weiteren Personen aus Moers wegen des Verdachts oder der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen vor?
- Sind Strafverfahren oder Verurteilungen nach den §§ 218 ff. StGB aus der NS-Zeit mit Bezug zu Moers dokumentiert? Falls ja, wie viele Fälle sind bekannt?
- Welche historischen Quellen zu beiden Verfolgungskomplexen befinden sich im Stadtarchiv, der NS-Dokumentation oder sind aus anderen Archiven bekannt?
- Wurden in den vergangenen Jahren Forschungsarbeiten oder Projekte zur Verfolgung homosexueller Menschen oder zur Verfolgung wegen Schwangerschaftsabbrüchen in Moers durchgeführt oder unterstützt? Falls ja, mit welchen Ergebnissen?
- Ist die Geschichte dieser Verfolgung Bestandteil der städtischen Bildungs- und Erinnerungsarbeit? Falls ja, in welcher Form?
- Wie werden diese Themen in Angeboten der NS-Dokumentation, des Stadtarchivs oder im Rahmen von Führungen und Ausstellungen berücksichtigt?
- Welche Erkenntnisse bestehen über eine Zusammenarbeit örtlicher Behörden, des Gesundheitswesens oder der Polizei mit den zuständigen Kriminalpolizeistellen im Zusammenhang mit diesen Verfolgungsmaßnahmen?
- Plant die Verwaltung anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung der Reichszentrale besondere Maßnahmen der Erinnerung oder historischen Aufarbeitung, beispielsweise Vorträge, Ausstellungen oder Veröffentlichungen?
- Falls keine Maßnahmen geplant sind: Aus welchen Gründen wurde auf eine Würdigung dieses Jahrestages verzichtet?
- Sieht die Verwaltung Forschungsbedarf hinsichtlich bislang unbekannter Opfer aus Moers und ihrer Biografien?
- Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung, die Erinnerung an die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bzw. sexuellen Identität oder wegen Schwangerschaftsabbrüchen verfolgten Menschen dauerhaft stärker in der städtischen Erinnerungskultur zu verankern?
Freundliche Grüße
Marius Meyer Almut Klinger Marcel Bister
Mitglied im Kulturausschuss Fraktionsvorsitzender Fraktionsvorsitzender
